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Der enorme
Zustrom von Einwanderern in das Ruhrgebiet gegen Ende des 19.
Jahrhunderts führte zu einem extrem hohen Bedarf an preisgünstigen
Wohnraum. Aus Angst vor Bergschäden vermied man im Ruhrgebiet
jedoch weitgehend den Bau riesiger Mietskasernen, wie sie in anderen
Ballungsgebieten des Deutschen Reiches zur gleichen Zeit gebaut
wurden.
So entstanden in unmittelbarer Nähe der Zechen eine Vielzahl
der sogenannten Zechensiedlungen, die in der Regel aus recht kleinen
Häusern bestanden.
Die Miete für eine 50 m² Wohnung betrug im Jahre 1900
etwa 10 Mark pro Monat, nach heutiger Kaufkraft sind das etwa
150 €. Eine solche Wohnung mußte sich dann allerdings
oft eine Großfamilie teilen.
Die Ausstattung der Wohnungen war recht spartanisch. Es gab weder
fließendes Wasser, eine Kanalisation, noch Heizungen. Geheizt
wurde mit Kohleöfen, den sogenannten Kanonenöfen. Die
Bergleute erhielten kostenlose Deputatkohle. (So bekam meine
Großmutter Auguste, eine Bermanns - Witwe, bis zu ihrem
Tode im Jahre 1993 jedes Jahr 2 1/2 tonnen Deputatkohle).
Künstliches Licht erzeugte man mit Petroleumlampen, aber
in einigen Häusern wurde später Gasbeleuchtung nachgerüstet.
Elektrisches Licht blieb noch lange unerschwinglisch und setzte
sich auch in den besseren Häusern erst in den 1920ger Jahren
durch.
Die Straßen der Zechensiedlungen waren unbefestigt und bessere
Schlammpfade, die man bei Regenwetter nur mit Gummistiefeln begehen
konnte. Die Abwässer wurden einfach in die Gosse geleitet.
So unbefriedigend die sanitären Zustände auch waren,
für viele Neuankömmlinge stellten sie doch schon eine
erhebliche Verbesserung ihrer Wohnsituation in Vergleich zu den
Heimatländern dar.
Die Anonymität der heutigen sog. Trabantenstädte lassen
die alten Zechensiedlungen vermissen. Gelobt wird vor allem die
ausgezeichnete Sozialstruktur dieser Siedlungen. Die Nachbarschaft
wurde gepflegt, und die Menschen halfen sich einander. Sie feierten
gemeinsam Feste, und nach der Schicht hatte man oft noch Zeit,
sich auf der Bank neben dem Haus zu unterhalten. Man pflegte gemeinsame
Hobbies, der Ruhrgebiets - Fußball und die Taubenzucht sind
noch heute weltberühmt.
Die Häuser hatten recht großzügige Gärten
und auch Stallungen. Neben Tauben - dem sog. "Rennpferd des
kleinen Mannes" - wurden vielfach auch Nutztiere wie Kaninchen,
Ziegen oder gar Schweine gehalten. So konnten die Menschen einen
Großteil ihrer Nahrungsmittel selbst produzieren.
Doch nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele dieser Zechenhäuser
abgerissen, ihr Erhalt war für die Bergwerksgesellschaften
nicht mehr rentabel. Mitarbeiter der Bergwerke konnten Anfang
der 1970ger Jahre noch für etwa 20.000,-- DM ein Häuschen
erstehen - heute sind guterhaltene Gebäude mittlerweile Liebhaberobjekte,
und die verbliebenen Zechensiedlungen werden gepflegt und sollen
vor dem Verfall geschützt werden.
Einige der interessantesten Zechensiedlungen möchte ich Ihnen
nun im Bild vorstellen.
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